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Die Milchstraße fotografieren. Viele ambitionierte Fotografen kommen irgendwann auf dieses Thema. Sie bietet einfach ein tolles Motiv, das man auch gerne mal an die Wand hängen kann.
Das Problem dabei: Es ist dunkel. Die Milchstraße ist in unseren Gefilden nicht so gut sichtbar wie an manch anderem Ort der Erde. Man braucht also lange Belichtungszeiten, hohe ISO und viel Lichtstärke.

Die Milchstraße kann man nur mit Vollformat fotografieren?

Bisher arbeite ich noch mit 2 Systemen. Eine Sony Alpha 7 II mit verschiedenen Objektiven, darunter das Tamron 15-30mm 2.8 adaptiert mittels Sigma MC-11 Adapter.
Auf der anderen Seite meine micro four thirds Kameras mit umfangreichem Objektiv Sortiment.
Für nächtliche Aufnahmen habe ich natürlich bisher die Sony A7II genutzt wegen des 4 mal so großen Kleinbild Sensors. In solchen Grenzbereichen hat so ein Sensor die Nase einfach vorne. Da gibt es nichts schönzureden auch wenn darüber bereits seitenlange Diskussionen in verschiedensten Foren existieren.
Allerdings habe ich schon lange mit dem Olympus 8mm 1.8 Fisheye PRO geliebäugelt. Ein hochlichtstarkes kompaktes Fischauge mit Autofokus. Abgedichtet gegen Wind und Wetter mit einem Bildwinkel von fast 180°. Allerdings eben auch mit dem typischen Fischaugen Effekt an dem man sich schnell satt sehen kann.
Dennoch konnte ich nun nicht mehr widerstehen und habe das Objektiv gekauft. Da ich dank des Godox X1T-O mein Blitzsystem nun auch vollständig mit meinen micro four thirds Kameras nutzen kann, plane ich einen Umstieg auf nur noch ein System.

Mit welchen Einstellungen die Milchstraße fotografieren?

Direkt am Tag der Lieferung hatte ich nachts gleich Glück. Es war nur leicht bewölkt und ab ca 0 Uhr war ein Großteil des Zentrums der Milchstraße über dem Horizont.
Also Stativ, Kamera E-M1 Mark II und das Fischauge gleich mitgenommen, kurz aus dem Dorf raus und ausprobiert. Leider bietet das Olympus Fischauge nicht, wie alle anderen PRO Objektive, die Möglichkeit den Fokusring nach hinten zu ziehen und dann direkt manuellen Fokus zu nutzen mit einer Entfernungsskala. So ist es etwas schwierig, den Fokus auf unendlich zu setzen, da der Autofokus hier versagt.
Mit Fokuslupe und im Bulb Modus (hier wird ein möglichst helles Bild angezeigt) habe ich es aber doch sehr gut einstellen können.
Als Einstellungen wählte ich 20s / Blende 1.8 und ISO 2000. Bei 30 Sekunden zeigten sich leider schon leichte Sternenspuren, trotz des hohen Bildwinkels.
Mit meinem Tamron Objektiv an der A7II wäre ich hier etwa bei ISO 5000 gewesen aufgrund der 1 1/3 Blenden niedrigeren Lichtstärke. Dennoch hätte sich sicher ein kleiner Vorteil beim Rauschen ergeben.

Vorher nachher Ansicht der Bearbeitung in Lightroom

Wie kann man ein Foto von der Milchstraße bearbeiten?

Das Ergebnis ist – wie die meisten Bilder der Milchstraße – vor der Bearbeitung eher unspektakulär. Der automatische Weißabgleich ist oft zu gelblich und die Milchstraße verblasst ein wenig auf dem Bild. Außerdem je nach Vordergrund und der dortigen Lichtverschmutzung überstrahlt dieser im Zweifelsfall den Himmel.
Als erstes stelle ich den Weißabgleich ein. Dafür stelle ich die Dynamik zweitweise auf 100. Dann kann man sehr gut sehen wo sich die Farben hin verschieben. Danach dann die Dynamik erstmal wieder auf 0.
Mit Klarheit und Kontrast bringe ich dann die Milchstraße zum Vorschein. Die Tiefen setze ich meist in den negativen Bereich damit der Vordergrund nur eine Silhouette ist. Am Schwarzwert verstelle ich in der Regel nicht viel. Lichter und Weiß gerade so hoch, dass die Milchstraße nicht ausbrennt.
Danach wird die Milchstraße nochmals selektiv mit einer Ellipsen Maske leicht aufgehellt und eventuell erneut mit der Klarheit sichtbarer gemacht.
Grundsätzlich war es das dann schon. Man kann an der Tönung noch arbeiten. Ein leichter violetter Stich macht sich bei den Bildern auch ganz gut. Oder natürlich an den Farbreglern. Das spare ich mir allerdings, weil ich gerne recht natürlich bleibe. Das „Herausbearbeiten“ der Milchstraße ist ja per se schon ein recht umfangreicher Eingriff.

Den Fisheye Effekt entfernen

Anschließend hat man ein hübsches Foto von der Milchstraße. Allerdings stört mich doch der Fischaugen Effekt bei der Aufnahme. Vor allem bei Hochformat. Da ist er doch extrem. Daher habe ich mich entschieden diesen zu entfernen. Man könnte das natürlich manuell in Photoshop machen, allerdings geht es auch einfacher. Mit dem Addon für Photoshop namens Imadio Fisheye Hemi geht das sehr bequem und mit einem Klick. Die Ergebnisse sind super. Ich nutze von den 3 Filtern die man bekommt die Nummer 2.
Das fertige Bild ist dann deutlich weniger verzerrt. Allerdings verliert man etwas vom Bildwinkel und am Rande sind die Sterne etwas in die Länge gezogen. Aber mal ehrlich. Habt ihr das gesehen bevor ihr es hier gelesen habt? Vermutlich nicht denn das Haupt Augenmerk liegt hier auf der Bildmitte und der Milchstraße. An den Rand wird kaum jemand schauen.
Dank der 20MP Auflösung des ursprünglichen Bildes verliert man auch nicht zu viele Details beim Entzerren. Zum Ausdrucken auf Din A3 reicht das noch ewig. Auch ein Wandbild kann man davon problemlos erstellen.

Frau im Gegenlicht mit Porty

Das fertige Bild der Milchstraße mit entferntem Fischaugen Effekt

Und wie ist die Qualität nun? Mein Fazit

Mir persönlich reicht die Qualität absolut aus. Ich brauche nicht mehr und wenn dann kann man immer noch mehrere Bilder stacken. Das erreicht schon bei 4 Bildern eine wirklich ausgezeichnete Qualität die man fast beliebig groß drucken kann.
Das Rauschen ist klar erkennbar in den dunklen Bereichen. Aber auch erst wenn man in das Bild hineinzoomt. Bei normaler Betrachtung sieht es toll aus. Daher habe ich auch nur ganz sanft in Lightroom entrauscht. Ich will keine Details verlieren.

Das Fischauge ist ein sehr spezielles Objektiv. Aber es sorgt für richtig tolle Effekte und der gigantische Bildwinkel hilft einem oft für eine beeindruckende Übersicht. Die voll nutzbare und knackscharfe Offenblende macht es ideal für Aufnahmen vom Nachthimmel. Aber auch sonst macht es mir richtig Spaß.
Die Linse ist auf jeden Fall der Tropfen, der das Fass für mich zum Überlaufen gebracht hat. Die Sony A7II werde ich nun veräußern mitsamt allen Objektiven und dem Zubehör. Die Verluste an Qualität und Freistellung kann ich problemlos verschmerzen. Dafür bin ich leichter unterwegs und vor allem nur noch mit einem einzigen System.

Im folgenden noch ein Video von mir, in dem ich meine Bearbeitungs Schritte zeige.