Über diese Kamera könnte man ganze Romane schreiben. Ich will versuchen, die Eindrücke die ich in den letzten Monaten intensiver Nutzung gewonnen habe hier halbwegs kompakt zu Papier zu bringen.

Der große Schub für mich kam bei dieser Kamera mit dem Firmware Update 3.0, das neben anderen Verbesserungen vor allem den kontinuierlichen Autofokus bei der Serienbildaufnahme bis zu 10 Bildern / Sekunde erlaubt. Damit war der Weg geebnet für den Thron der Action Kameras im Micro 4/3 Sektor.

Aber von vorne. Ich habe lange Zeit mit Canon DSLR fotografiert und seit letztem Jahr dann nebenher mit den Micro 4/3 Kameras geliebäugelt, angefangen damals mit der GX7. Diese ist mittlerweile verkauft und einer E-M1 sowie einer E-M5 als Backup gewichen. Das Canon System habe ich nach und nach abgestoßen, da für mich keine praxisrelevanten Nachteile durch die Nutzung der kleineren Micro 4/3 Sensoren entstanden ist und die Kompaktheit sehr gut ist. Nun habe ich eine umfangreiche Ausrüstung im Micro 4/3 Bereich. Die E-M1 sticht dabei heraus da ich jedesmal voller Freude bin, wenn ich mit dieser Kamera fotografiere. Es macht einfach Spaß und geht mir flüssig von der Hand. Daher will ich auf einige Punkte eingehen (eine vollständige Auflistung und Bewertung aller Features würde den Rahmen sprengen daher nehme ich die heraus, die ich persönlich am häufigsten nutze).

Gehäuse, Haptik und Knöpfe:
Die Kamera hat einen Magnesium Body der abgedichtet ist gegen Spritzwasser. Ein sehr gut ausgeformter Handgriff ist ins Gehäuse integriert. Die Kamera liegt mir sehr gut in der Hand und fühlt sich haptisch hochwertig an. Ich hatte von der ersten Benutzung an ein gutes Gefühl. Die Knöpfe haben gute Druckpunkte und funktionieren einwandfrei. Die Einstellräder rasten satt ein sind aber trotzdem leicht drehbar. Das Moduswahlrad kann mit einem Druck auf den Knopf in der Mitte arretiert werden, was ich sehr praktisch finde. Einzig den Auslöseknopf fand ich anfangs gewöhnungsbedürftig, da dieser einen kaum merkbaren ersten Druckpunkt hat. Oft habe ich nicht nur fokussiert sondern direkt ausgelöst in den ersten Tagen. Daran hat man sich aber sehr schnell gewöhnt und ich empfinde es nicht als Nachteil. Das ist Geschmackssache.

Bedienung:
Die Kamera hat eine Fülle von Einstellungsmöglichkeiten im Menü. Hier kann man schnell erschlagen werden wenn man das erste mal etwas sucht. Nach und nach merkt man aber, dass trotzdem die Menüs klar strukturiert sind. Man findet im Internet einige Anleitungen, die einen durch die Menüs führen und verschiedene Einstellungsmöglichkeiten beschreiben.
Vor allem sind hier die Mysets interessant; dort kann man bestimmte Einstellungen speichern und diese per Tastendruck (oder Position auf dem Moduswahlrad) aktivieren. Hier sind einem kaum Grenzen gesetzt sich zu verwirklichen.
Die Tasten können fast vollständig individuell konfiguriert werden.
Hat man sich die Kamera nach seinen Wünschen konfiguriert, so geht die Bedienung sehr flüssig. Da die ganzen Informationen im Sucher angezeigt werden muss man selten auf die Kamera schauen um die wichtigsten Einstellungen kurzfristig zu verändern. Vieles was man nicht auf eine Taste gelegt hat findet sich außerdem im Super Control Panel (SCP, wie man es aktiviert findet man schnell per Internetsuche).
Der Touchscreen rundet die Sache ab.
Es macht einfach Spaß mit dieser Kamera zu fotografieren!

Sucher und Display:
Das Display löst sehr fein auf und ist kontrastreich. Die Touchfunktion arbeitet zuverlässig und ohne merkbare Reaktionszeit. Das Highlight ist aber der große elektronische Sucher. Dieser hat eine sehr gute Auflösung und ist ebenfalls sehr kontrastreich. Die Größe ist angenehm und eine Verzögerung ist kaum zu bemerken. Für mich ist das ganz klar die Zukunft. Einen Spiegel brauche ich da nicht mehr. Klar hat das optische Bild ein paar Vorteile aber die Vorzüge des elektronischen Suchers möchte ich nicht mehr missen. „What you see is what you get“ ist hier die Devise. Ich sehe genau, wie mein Bild belichtet sein wird. Kein Testfoto oder mühsames Umstellen der Belichtungsmessung. Einfach kurz am Korrekturrad gedreht und man hat die richtige Belichtung gefunden.
Der Näherungssensor funktioniert auch sehr gut. Sobald man mit dem Auge in die Nähe kommt schaltet sich der Sucher ein und das Display aus.

Autofokus und Auslöser:
Der Autofokus ist sagenhaft gut und rasend schnell. Dank Kombination aus Kontrast und Phasenautofokus verfehlt die E-M1 ihr Ziel nur selten. Front oder Backfokus die Objektivabhängig korrigiert werden müssen gehören hier der Vergangenheit an (das gilt natürlich ebenfalls für die anderen Micro 4/3 Kameras). Die AF Felder decken fast den gesamten Bildschirm ab und können bei Bedarf zu einem 9er Feld oder Spot Feld umgestellt werden. Ebenfalls ausgezeichnet funktioniert der Touch Auslöser. Per Druck auf das gewünschte Motiv auf dem Bildschirm wird dort fokussier und sofort ausgelöst. Traumhaft für Ziele die sich flott bewegen und häufig die Richtung wechseln und so aus einem starren AF Feld verschwinden (z.B. für spielende Kinder).
Seit Firmware 3.0 hat der kontinuierliche Autofokus auch nochmal eine ordentliche Schippe draufgelegt und funktioniert nun bis 10 Bilder / Sekunde. Solange man das AF Feld auf dem Ziel hält verliert der Fokus selten das Ziel wenn er sich erstmal festgenagelt hat. Absolut sporttauglich. Für mich hat sich das 9er Feld bewährt, das fast wie ein Tracking funktioniert sollte man mal etwas abkommen vom Fokusziel. Das eigentliche C-AF Tracking funktioniert dagegen nicht besonders gut, dieses nutze ich im Grunde nie.
Kleiner Nachteil bei Serienaufnahmen ist, dass der Sucher etwas hinterherhängt und kein Livebild mehr anzeigt sondern die geschossenen Bilder mit kurzer Verzögerung. Somit ist es Übungssache bis man sein Ziel richtig verfolgt. Abhilfe kann man hier schaffen mit der EE-1 Dot Sight. Einem Aufstecksucher mit Rotpunkt Visier. Damit sollten dann auch Vögel im Flug oder ähnliches kein Problem mehr sein.
Wer noch ältere FT Optiken sein eigen nennt kann mit dem richtigen Adapter diese dank der Phasensensoren mit sehr schnellem Fokus an der E-M1 verwenden.

Bildqualität:
Die Bildqualität die mit den vergleichsweise kleinen Sensoren von Micro 4/3 möglich ist, ist für nahezu alle fotografischen Anwendungen mehr als ausreichend. Ich drucke viele meiner Bilder auf A4 / A3 aus und bin immer wieder überrascht wie gut diese aussehen. Die Objektive liefern eine sehr hohe Schärfe und auch Freistellpotential ist genug vorhanden wenn man lichtstarke Festbrennweiten nutzt. Im ISO gehe ich ohne große Schmerzen bis 3200. Selbst ohne umfangreiche Nachbearbeitung überzeugen die Ergebnisse hier. Auch der Dynamikumfang ist ausgezeichnet und die Reserven für die Nachbearbeitung sind umfangreich wenn man im RAW Format fotografiert.
Natürlich haben die größeren Sensoren hier trotzdem ihre Vorteile aber eben zum Preis der deutlich größeren Objektive. Für >95% meiner Fotos reicht der Micro 4/3 Sensor auf jeden Fall mehr als aus. Die Ergebnisse überzeugen mein Umfeld und mich immer wieder aufs Neue.

Bildstabilisator:
Bis zum Erscheinen der E-M5 Mark II war der IBIS der E-M1 wohl der beste auf dem Markt verfügbare Bildstabilisator. Er ermöglicht sehr lange Verschlusszeiten aus der Hand zu halten (was natürlich Brennweiten abhängig ist). Das Sucherbild wird ebenfalls stabilisiert was bei Tele Aufnahmen sehr praktisch ist. Der IBIS ist auch für manuelle Optiken aktiv, stabilisiert also ausnahmslos alle Objektive die man an die Kamera anbringt. Hier muss man nichts mehr groß zu sagen er funktioniert einfach!

Sonstiges:
Hervorzuheben wäre noch die sehr gut WLAN Funktion der Kamera. In der Verbindung mit der Olympus App auf dem Smartphone kann man hier die Kamera fernsteuern, und zusätzlich die Bilder mit GPS Tags versehen lassen (nachdem man die Route von der App auf dem Smartphone hat aufzeichnen lassen). Funktioniert bei mir einwandfrei.
Es gibt natürlich auch einige Szenen und Art Filter. Diese verwende ich allerdings selten.
Die Videofunktion kann ich nicht beurteilen da ich zum Filmen meine Sony RX100 verwende und sowieso sehr selten Videos drehe.
Intervallaufnahmen z.B. für Timelapse kann man komfortabel über das Menü einstellen.
Die Akkulaufzeit ist bedingt durch das Display natürlich erheblich kürzer als bei DSLR, was mich nicht weiter stört. Ich bekomme trotzdem mehr als genug Bilder pro Ladung heraus und dann wird eben gewechselt. Außerdem kann man einen Hochformatbatteriegriff anbringen und so die Laufzeit verdoppeln. Absolut praxistauglich.

Service von Olympus:
Olympus bietet einen ausgezeichneten Service. Nicht nur wird die Garantie auf einen Gebrauchtkäufer problemlos übertragen, für die E-M1 gibt es außerdem noch einen extra schnellen Plus Service. Ich musste die Kamera schon einmal einschicken. Abgeholt wurde per DHL Express und nach 5 Arbeitstagen war die Kamera fertig repariert zurück bei mir ohne jegliche Kosten. Besser geht es kaum.

Fazit:
Die Kamera ist wie für mich gemacht. Sie liegt mir super in der Hand und ich kann sie mir konfigurieren wie ich will. Die Bilder sind ausgezeichnet und die Kamera ist zuverlässig. Ich habe immer ein gutes Gefühl wenn ich damit fotografiere. Der Micro 4/3 Objektivpark ist bis auf sehr lange und lichtstarke Tele Linsen sehr gut aufgestellt und das in ausgezeichneter Qualität. Meine Entscheidung für dieses System bereue ich keinen Tag. Und das nicht zuletzt wegen dieser tollen Kamera. Ich kann daher nicht anders als 5 Sterne geben.
Ich bin sehr gespannt was der Nachfolger der E-M1 nächstes Jahr (vermutlich) bringen wird. Ich hoffe ja insgeheim auf einen lautlosen elektronischen Verschluss möglichst ohne Nachteile zum mechanischen und Livebild bei Serienaufnahme.

Viel Spaß beim Fotografieren und falls Fragen offen sind beantworte ich diese gerne in den Kommentaren!